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Klettern im Libanon

Yumi Adachi war im Herbst 2019 im Libanon unterwegs, um mit Flüchtlingskindern zu Klettern. Hier erzählt Sie von fahrenden Kletterwänden, kaputten Autos und neuen Freundschaften.

Der Libanon hat etwa die Hälfte der eigenen Bevölkerungszahl an Flüchtlingen aus Syrien aufgenommen. Da das Land selbst grosse wirtschaftliche Probleme hat, wird die Flüchtlingshilfe von den Einheimischen kritisch betrachtet. Nichtsdestotrotz ist die Lebenssituation der hauptsächlich syrischen Flüchtlingen dürftig. Sie dürfen sich ausserhalb der Checkpoints nicht frei bewegen.

Deswegen hat ClimbAID beschlossen mit den Flüchtlingsinstitutionen zusammenzuarbeiten und mit Klettern ein sinnvolles Freizeitprogramm zu schaffen. Mit fahrbaren und fixen Kletterwänden und Volunteers, welche die Flüchtlinge betreuen.

Yumi, deine letzte Reise hat dich in den Libanon geführt. Wie kam es dazu?

Ich war für 5 Wochen dort als Volunteer für ClimbAID. ClimbAID ist eine Hilfsorganisation aus Zürich, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Flüchtlingen zu klettern. Das klingt im ersten Moment vielleicht absurd, aber das Klettern hat sehr positive Auswirkungen auf Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung oder Depressionen. Diese positiven Effekte entstehen aus der Verbindung von physischer und mentaler Anstrengung beim Klettern.

Wie kamst du auf diese Idee?

Ich habe die Aktivitäten von ClimbAid schon länger mitverfolgt, natürlich auch weil ich selber gerne klettere und die positiven Auswirkungen davon kenne. Daneben interessiere ich mich für die Kultur im Libanon und wollte gerne etwas Gutes tun.

Was genau war deine Aufgabe und wie hast du dort gelebt?

Wir sind mit einer fahrbaren Kletterwand von Ort zu Ort gefahren und kletterten mit den Kindern und Jugendlichen. Die syrischen Flüchtlinge im Libanon haben kein Recht sich ausserhalb der Checkpoints zu bewegen, weshalb ClimbAID die Idee mit der fahrbaren Wand hatte. Es gibt aber auch eine fixe Wand an einem zentralen Ort in der Bekaa-Ebene. Die liegt so, dass sie für möglichst viele Flüchtlinge in den umliegenden Camps legal erreichbar ist. Gewohnt haben wir Volunteers in einem Haus, ähnlich wie die Einheimischen.

Wie gehst du mit anderen Kulturen um? Wie gehen andere Kulturen mit dir um? 😛

Die Situation im Libanon war sehr speziell. Ich hatte kaum Anhaltspunkte, was auf mich zukommen würde und konnte mich somit nicht wirklich darauf vorbereiten. Ich versuchte darum so offen wie möglich zu sein und die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Ich hatte etwas Respekt davor, wie die Bevölkerung auf mich reagieren würde. Die Flüchtlingshilfe im Libanon wird sehr misstrauisch betrachtet, da das Land selbst grosse wirtschaftliche Probleme hat und trotzdem sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, habe ich mich über die Gepflogenheiten informiert und meine Erfahrungen waren dann durchwegs positiv. Die Menschen waren mir gegenüber sehr respektvoll und freundlich.

Wie hast du dich dort verständigt?

Ich hatte davor keine Arabisch-Kenntnisse, habe aber einiges gelernt. Das reichte natürlich nicht allzu weit und manchmal mussten wir uns mit Händen und Füssen verständigen. Vor Allem im Supermarkt oder wenn wir das Leihauto mal wieder zur Reparatur bringen mussten… Für die wichtigen Sachen hatten wir aber Übersetzer. Bei der Arbeit mit den Kindern war das aber kaum nötig, denn Klettern geht über den Körper – Vorzeigen, Abschauen, Nachahmen und einfach Tun.

Das mit dem Leihauto klingt abenteuerlich 🙂 Welche Abenteuer hast du erlebt und bestanden? Wie haben sie dich geprägt, gestärkt, ermutigt, herausgefordert …?

Die Reise in den Libanon war von Anfang bis Ende abenteuerlich. Es bann schon bei der Ankunft. Vor der Abreise hatte ich einen Spendenaufruf für Material gestartet und hatte dadurch etwa 50kg Gepäck dabei. So landete ich also morgens um 3 Uhr in Beirut mit 50kg Gepäck und wartete darauf, wie versprochen abgeholt zu werden… Aber da war niemand. Nach etwa zwei Stunden kam dann endlich jemand. Und ja, das Auto… Wir hatten ein Auto zur Verfügung, ein totaler Schrotthaufen. Bei fast jeder Fahrt hatten wir eine Panne. Schlussendlich kamen wir aber immer irgendwie weiter. Ich habe gelernt, solche Vorfälle einfach anzunehmen und mit Gelassenheit das Beste daraus zu machen. 

Die fahrbare Kletterwand.

Was hat dich berührt? Land – Leute – Vielleicht gab es eine besondere Begegnung?

Die Leute waren extrem offen und hilfsbereit. Als wir zu einem der höchst gelegenen Orte im Libanon wandern wollten, hatten wir uns total in der Distanz verschätzt. Das lag allerdings nicht nur an uns, sondern auch an den Karten. Die waren nicht sonderlich genau. Auf jeden Fall kam dann ein Pick-up vorbei und hielt an. Die Familie, die darin sass, machte uns darauf aufmerksam, dass wir noch Stunden bis zu unserem Ziel haben würden und nahm uns kurzerhand mit. Wir haben uns dann mit ihnen unterhalten und stehen noch heute in Kontakt.

Welche Eindrücke hast du mit nach Hause genommen? Materielle und immaterielle Souvenirs?

Die immateriellen Souvenirs überwiegen eindeutig. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen, neue Erfahrungen und Freundschaften „im Gepäck“. Das einzige Materielle, was ich unbedingt mitnehmen wollte, war „Za’tar“. Za’tar ist eine Gewürzmischung aus Thymian, Sesam und Sumach, die mit Öl angemischt und zu Fladenbrot gegessen wird. Sehr, sehr lecker!

Was hat diese Reise mit dir gemacht? Was hast du gelernt? Was hast du verlernt?

Während der Zeit im Libanon war ich sehr viel unterwegs und auch oft draussen. Die Tage waren spannend und die Arbeitszeiten ungeregelt. Als ich dann zurück kam und direkt wieder in den eight-to-five-Job einstieg, merkte ich ziemlich schnell, dass ich das nicht mehr kann. Deshalb beginne ich nun im März eine neue Arbeit.

Gelernt habe ich, das Leben wieder lockerer zu sehen, alles nicht so ernst zu nehmen. Im Libanon hört man von den Leuten oft „Inshallah“ als Antwort. Das bedeutet soviel wie „Wenn Gott will“ und wird in etwa so verwendet wie in der Schweiz „mal luege“. Das heisst, wenn wir Volunteers mit den Einheimischen sprachen, und Ideen für das Projekt äusserten, bekamen wir als Antwort oft „Inshallah“ und wussten, okay, das wird in absehbarer Zeit wohl nichts. So lernt man, die Dinge so anzunehmen wie sie sind, und nicht alles optimieren zu wollen.

Wie endete deine Zeit im Libanon? Fiel dir der Abschied schwer?

Tatsächlich fiel es mir sehr schwer wieder zu gehen. In der Zeit, in der ich da war, entstand eine Bindung zu den Menschen. Für die Kinder und die Jugendlichen ist es zudem oft so, dass die Volunteers die wichtigsten Bezugspersonen sind, diese aber ja laufend wechseln. Gleich zu Beginn sah ich, wie die Kinder weinten, als die Volunteers sich verabschiedeten. Ich wusste, was auf mich zukommen wird. Aber es war trotzdem hart. Die letzten Abende waren dann auch entsprechend emotional. Die Flüchtlinge hatten uns Geschenke gemacht und die kleineren Kinder weinten. Ich hatte dann meine Zweifel, ob das gut ist für die Kids, bin aber im Endeffekt zu dem Schluss gekommen, dass, auch wenn der Abschied nicht leicht ist, die gemeinsame Zeit wertvoller ist.

Yumi, vielen Dank für den spannenden Einblick! 

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